Zeitzeugen blickten zurück in die Vergangenheit

0
171

Presseinformation

Zeitzeugen blickten zurück in die Vergangenheit

Erster Sickter Heimatabend bot interessante Perspektiven auf die Geschichte des Ortes

Erfreulich viele Besucher waren der Einladung des Ortsheimatpflegers Stefan Bormann (40) in den – aufgrund der 2G-Einlassbestimmungen mit mehr als 60 Zuhörern praktisch voll besetzten – Rittersaal im Herrenhaus Sickte gefolgt, um sich durch die Erinnerungen anwesender Zeitzeugen auf eine bunte und vielschichtige Reise in die Vergangenheit ihres Ortes zu begeben. Es berichteten die „Ur-Sickter“ Horst Bergmann, Dr. Manfred Bormann, Ina Essmann, Elke Stornebel sowie Bodo Wutschel.

Im ersten Teil der Veranstaltung präsentierte Bormann hierbei Luftbilder der damals noch getrennten Dörfer Ober- und Niedersickte aus dem Jahr 1956, die von den Gästen – auch immer wieder gespickt mit interessanten Einschüben und Anekdoten – kenntnisreich eingeordnet wurden. Den Besuchern wurde dabei mehr als deutlich, wie drastisch sich das Ortsbild bis in unsere Gegenwart hinein gewandelt hat – von einem bäuerlich geprägten Dorf, in dem sich zwischen den Höfen auch immer wieder größere Streuobstwiesen oder Weiden befanden hin zu einer deutlich angewachsenen und dicht besiedelten Ortschaft, die inzwischen im Grunde genommen kleinstädtische Dimensionen angenommen hat.

Ein weiterer wesentlicher Schwerpunkt der Betrachtungen lag in der Lebensweise der Menschen vor 50 oder 60 Jahren. Hierzu zeigte Bormann Filmausschnitte aus den Jahren 1969/70, die u. a. suggerierten, dass das Leben der Menschen zu dieser Zeit noch deutlich entschleunigter gewesen sei. Die geladenen Gäste konnten diese These durchaus bestätigen, da etwa für die Bauern jeweils im Winter eine deutlich ruhigere Zeit angebrochen sei und generell berufliche Anforderungen, aber mitunter auch solche im privaten Bereich, deutlich weniger komplex gewesen seien. Indes gaben die Zeitzeugen zu bedenken, dass Jugendliche aufgrund der Notwendigkeit, in der Landwirtschaft unterstützend tätig zu sein, deutlich weniger Freizeit gehabt hätten und zudem generell einem höheren Maß an anstrengender körperlicher Arbeit ausgesetzt gewesen seien.

Somit diente der Abend einerseits dazu, einen nostalgischen Blick zurückzuwerfen in eine im Grunde genommen untergegangene Epoche, andererseits wurde die Geschichte durch die kritisch-reflektierte Retrospektive jedoch gleichfalls nicht verklärt.

Abschließend diskutierten die Gäste aufgrund der zu beobachtenden abnehmenden Identifikation der Bewohner mit ihrem Ort, ob hier möglicherweise in der Zukunft eine Trendwende möglich sei. Dies betrachteten die Zeitzeugen aufgrund der deutlich veränderten Freizeitgewohnheiten, Familienstrukturen, der erhöhten Mobilität sowie des Wandels in der Arbeitswelt jedoch mit Skepsis.

Die Teilnehmer zeigten sich überwiegend sehr zufrieden mit dem ersten Sickter Heimatabend, dem weitere folgen werden an folgenden Terminen am selben Ort:

– 19.11.2021, 18:30: Ernst-Dieter Grieshaber berichtet von seinen Erfahrungen während seiner Einsätze im Afghanistan-Krieg.

– 04.02.2022, 19:00: Bezirksarchäologe Dr. Michael Geschwinde berichtet von den archäologischen Arbeiten und Erkenntnissen bzgl. der Sickter Erdwerke.

– 25.03.2022, 18:30: Sickter Bürger aus der ehemaligen Ostdeutschland erzählen von der DDR und ihren „Migrationserfahrungen“.

Bildunterschrift

Deutlich weniger zersiedelt,bäuerlich geprägt und noch recht klar separiert: Luftaufnahme der Orte Nieder- und Obersickte aus dem Jahr 1956.