Witz-Licht (Kolumne) Wer hat denn nun eigentlich gewonnen?

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Warum „verziert“ man Wahlplakate, auch wenn die eigenen künstlerischen Fähigkeiten eher mangelhaft sind? Ist es der unterbewusste Wunsch, Politiker mit äußeren Merkmalen auszustatten, die man selber gern hätte oder hat, sei es ein Hitlerbärtchen, seien es die spitzen Ohren eines Außerirdischen, die Zahnlücke oder die Pinocchio-Nase? Wahrscheinlich verstehe ich da wieder mal etwas völlig falsch.

Wer von den gewählten Politikern seine Wahl-Versprechen (man achte auf die Doppelbedeutung!) einhält, wird man mit Sicherheit erst vor der nächsten Wahl wissen, aber was hat man doch nicht alles nach vier Jahren vergessen! Schließlich ist unser Gedächtnis eines der unzuverlässigsten Werkzeuge, die uns zur Verfügung stehen und ist sogar nachträglich manipulierbar. Vielleicht brauchen wir da sehr viel Verticoheel, das laut Werbung in Deutschland meistverkaufte natürliche Schmerzmittel gegen Schwindel? Habe ich das schon wieder falsch verstanden?

Jetzt ist erst mal politisches Speed-Dating angesagt und vielleicht ergibt sich ja eine Dreier-Koaliation, dann werden sich diese drei Parteien gemeinsam als Sieger bezeichnen und eventuell irgendwann merken, dass sie durch zu viele Zugeständnisse nachträglich doch verloren haben, woran sich aber glücklicherweise niemand mehr erinnern kann, siehe oben.

Nein, keiner will wieder ein halbes Jahr auf eine neue Regierung warten (an diese Zeitspanne können wir uns noch erinnern oder wurden durch die Medien erinnert) und sollte der flotte Dreier so oder so nicht zustande kommen, dann bleibt uns ja immer noch die ungeliebte GroKo.

Früher war ich ja mal so naiv, dass ich geglaubt habe, dass Parteien, die sich in vorangegangenen Regierungen gegenseitig blockiert haben, in einer gemeinsamen Regierung diese Blockaden lösen werden. Nette Idee, funktioniert aber leider auch nicht.

Wir Deutschen mögen ja eher von einem Kaiser, ach nein, Entschuldigung, der heißt ja inzwischen Kanzler, regiert werden, der sicher auf zwei Beinen stehen und staatsmännisch schweigen, lächeln, grüßen und winken kann. Und schick aussieht für sein Alter. Sollte er doch mal was sagen, dann hören wir ja eh nicht hin, denn wir wissen: Der kann gar nicht alles wissen, wer weiß, was der da zu wissen meint, da soll er doch lieber die Experten zu Wort kommen lassen.

Ein Experte ist auf den ersten Blick äußerlich kaum von einem normalen Menschen zu unterscheiden. Da ihn aber die Aura des Expertentums umgibt, ahnt eigentlich jeder, dass es sich hier nicht um einen Menschen, sondern eher um ein hochspezialisiertes Insekt handelt, das nur bedingt lebenstauglich ist, ständig an regelmässige Nahrungsaufnahme (die dann meist selbständig erfolgt) und an Zu-Bettgeh-Zeiten erinnert werden muss. Dass er außerstande ist, den sprichwörtlichen Nagel in die Wand zu schlagen, muss eigentlich nicht extra erwähnt werden. Meist sind Experten sehr einsame Zeitgenossen, die mit ihrem Fachgebiet verheiratet sind und deshalb auch nichts vermissen. Normalerweise kommunizieren sie nur mit Artgenossen, die von ihnen entweder abgöttisch geliebt oder auf der Stelle weggebissen werden.

Manchmal jedoch wollen Experten nicht als solche wahrgenommen werden und geben sich mit normalen Menschen ab. Sollten sie sich aber so ausdrücken, dass man das, was sie sagen, versteht, dann ist äußerste Vorsicht geboten: Es handelt sich hier keinesfalls um einen Experten, sondern nur um jemanden, der vorgibt, ein Experte zu sein.

Vor ungefähr dreißig Jahren habe ich folgendes Gedicht geschrieben:

Wahlsieg

den nackten gegebenheiten
erbarmungslos
auf die finger geklopft

dem gemeinen volk
unerbittlich
die augen aufgeschlagen
ohne mit der wimper zu zucken

dem politischen gegner in den hintern getreten
bis er seine losung fallen ließ

die suppe ist eingebrockt
rührt euch gefälligst selber!

ihr könnt jetzt den löffel abgeben
eure stimmen haben wir ja schon
ALSO HALTET GEFÄLLIGST DIE SCHNAUZE!

Bis neulich, ein sehr schweigsamer

Witz Witzkewitz.

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