Was bestimmt die Arbeit eines Künstlers?

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Die Sickter Kulturinitiative besuchte die aktuelle Ausstellung des Kunstvereins Wolfenbüttel anlässlich Karl Schapers 100. Geburtstages

Stine Hollmann von der Geschäftsführung und der Künstler Juin Roh führten durch die Räume. Die Ausstellung ist überschrieben mit dem Motto: mutatis mutandis. Diese Formulierung wird üblicherweise in amtlichen Zusammenhängen verwendet und bedeutet so viel wie: Nach Anpassung an die veränderten Umstände.

Karl Schaper hat stets die aktuellen gesellschaftlichen und politischen Gegebenheiten als Anlass für sein künstlerisches Handeln genommen. Er war ein Chronist, ein Hinterfrager, ein Querdenker und Querkopf, ein Aufrüttler, ein Aktivist und sogar ein Ankläger. Ein zutiefst trauriges Beispiel dafür ist ein Exponat, in denen er sich mit den Umständen des Feldzuges seines Bataillons 1941 in Russland auseinandersetzt. Karl Schapers Arbeit stand unter dem Einfluss des gesellschaftskritischen Kunstverständnisses seiner Zeit. Seine Verortung im Spannungsfeld seiner künstlerischen und politischen Umgebung ist der Beitrag der Kunstwissenschaftlerin Nina Lüllau. Von Ihrer Arbeit zeugt eine schematische Wandzeichnung im zweiten Raum der Ausstellung. Sie hat zudem in einem ausliegenden Papier die Feldanalyse nach Pierre Bourdieu dargestellt, mit Hilfe derer sie die Bestimmung des Standpunktes „eines Künstlers, in diesem Falle Karl Schapers“ beschreibt. Ebenso Im zweiten Raum der Ausstellung finden sich zwei mit Arbeiten und Dokumenten des Künstlers gefüllte Planschränke. Hier bleibt es der Neugierde des Besuchers freigestellt, in den Schubladen zu stöbern. Baumwollhandschuhe zum Schutz der Blätter liegen bereit. Der dritte Raum ist verdunkelt, wodurch eine fast intime Umgebung geschaffen wird. Auf einem Leuchttisch in der Mitte des Raumes liegen Dias, die das Ehepaar Schaper an verschiedenen Orten zeigen. Die Dias können mit Lupen betrachtet werden und bescheren bezüglich der Orte einige Wiedererkennungsmomente. Diese Bilder sind als die Zeugnisse des familiären Umfeldes interessant. Auch ist es in dieser Ausstellung das einzige Mal, wo seine Ehefrau und künstlerische Unterstützung Susanne Schaper präsent ist, wenn auch namenlos. Im ersten Raum des Kunstvereins gibt ein 12-minütiger Trailer einen Vorgeschmack auf den geplanten Film „Eisenbahn nach Japan“. Wir hoffen, dass darin der Filmemacher Manfred Bannenberg Susanne Schapers Bedeutung für das künstlerische Schaffen ihres Mannes würdigen wird. Die Ausstellung ist unterlegt mit einer Endlosschleife von Schapers Atemgeräuschen, einem allgegenwärtigen Luftholen.

Die Ausstellung ist noch bis zum 5. Juli 2020 zu sehen und zu hören.

Bild: Juin Roh (links) präsentiert Schubladen zum Stöbern. Stine Hollmann (2. von rechts) führte durch die Ausstellung, Annegrit Helke (rechts) von der Sickter Kulturinitiative hatte die Führung angefragt. Foto: privat

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