Veränderung braucht Luft zum Atmen

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Der landwirtschaftliche Berufsstand bewertet die aktuellen politischen Entwicklungen als existenzgefährdend. Landwirtschaft wird vermehrt nur noch als Gefahr angesehen und nicht mehr als das, was sie ist, nämlich der Teil der unserer Wirtschaft, der für gesunde, nachhaltige Lebensmittel sorgt und auf den man auch in einem Industrieland nicht verzichten kann. Deshalb ist das Klima in vielen landwirtschaftlichen Familien im Augenblick verunsichert und frustriert.

Am Freitag, den 25.10.19 lud der Landvolkverband Braunschweiger Land seine Mitglieder und die regional verantwortlichen Abgeordneten aus Land- und Bundestag sowie Europaparlament zu einem Mahnfeuer in der Gemarkung Adenstedt ein.

Der stellvertretende Vorsitzende des Verbandes Wilfried Henties begrüßte die zahlreich anwesenden Gäste. Er verdeutlichte kurz, dass die Summe aller aktuellen neuen Auflagen und Einschränkungen aus Düngeverordnung, Insektenschutzplan sowie der wachsende globale Wettbewerb die bäuerlichen Familien in der Region überfordern und zu einem massiven Höfesterben führen werden. Danach ergriff Junglandwirt Arnd-Kristian Lauenstein aus Bründeln das Wort. In seiner sachlichen, aber auch von Emotionalität getragenen Ansprache traf er den Nerv seiner anwesenden Berufskolleginnen und -kollegen. Landwirtschaft habe schon immer mit naturgegebenen Umständen leben und wirtschaften müssen. Das Ertragen solcher Schwankungen gehöre zur bäuerlichen Genetik. Wörtlich führte er weiter aus: „Ich vermisse für uns in der bundesdeutschen Landwirtschaftspolitik die Schaffung von Perspektiven für den Fortbestand einer landwirtschaftlichen Produktion in Deutschland. Es wird sich nur auf neue Auflagen und Verbote beschränkt und kein Korridor der Planungssicherheit geschaffen.“

In den letzten Monaten kommen dem Junglandwirt jedoch immer öfter Zweifel, ob diese Entscheidung Landwirtschaft zu betreiben der richtige Weg war, wenn er sich z.B. mit Schulkameraden vergleicht, die in Industrie oder Handwerk arbeiten. Weiterhin führt Arnd-Kristian Lauenstein aus „ich sperre mich nicht gegen sich wandelnde Produktionsziele, gesellschaftliche Anforderungen, Auflagen und Arbeitsweisen für die Landwirtschaft in Deutschland. Ganz im Gegenteil, ich bin offen für Veränderung. Wenn meine Leistungen jedoch über das produzierte Lebensmittel bezahlt werden und der Produktpreis sich dafür an einem Weltmarkt bildet, an dem diese Bedingungen nicht gelten, dann stehe ich vor einer unlösbaren Marktverzerrung in meinem Betrieb allein da.“

Flächendeckende Extensivierung auf einem Gunststandort wie Peine führe nur dazu, dass an anderer Stelle, wie in Südamerika, zusätzlich neue Flächen gerodet würden. Starker Beifall der anwesenden Gäste zum Schluss von Lauensteins Ausführungen zeigte deutlich auf, dass der Bründelner Junglandwirt die Köpfe und Herzen der Besucher getroffen hatte.

Die beiden anwesenden Politiker Lena Düpont (MdEP) und Christoph Plett (MdL) bekannten sich durch ihre Anwesenheit zu den Landwirten und deren derzeitige Probleme.. Herr Plett ergriff nach der Rede vom Junglandwirt Lauenstein das Wort und sicherte Unterstützung zu.

Für einige Schlussbemerkungen übernahm der stellvertretende Vorsitzende Wilfried Henties kurz noch das Wort. Er lobte die Anwesenden, für Ihren starken Einsatz bei den Aktionen des landwirtschaftlichen Bündnisses „Land schafft Verbindung“.

Titelfoto: Jung und Alt sind gekommen um auf die aktuelle Lage der Landwirtschaft aufmerksam zu machen.

Quelle: Braunschweiger Landvolk

 

 

 

 

 

 

v.l. Lena Düpont (MdEP), Christoph Plett (MdL) und Arnd-Kristian Lauenstein (Junglandwirt aus Bründeln)

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