Über 25 Jahre Gleichstellungsarbeit in Lehre: Erste und aktuelle Beauftragte tauschen sich aus

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Länger als ein viertel Jahrhundert beschäftigt die Gemeinde Lehre jetzt schon eine hauptamtliche Frauenbeauftragte, die seit 15 Jahren Gleichstellungsbeauftragte heißt. Und das damals wie heute freiwillig. Denn sowohl die Verpflichtung als auch die Fördermittel gelten lediglich für Kommunen ab 20.000 Einwohnerinnen und Einwohnern. Diese Jubiläen nahmen die erste und die aktuelle Beauftragte der Gemeinde jetzt zum Anlass für einen kleinen, gemeinsamen Rückblick.

1993 hat das Land Niedersachsen das so genannte Frauenbeauftragten-Gesetz verabschiedet, mit dem die Kommunen verpflichtet wurden, eine Frauenbeauftragte zu bestellen. Daraufhin entschied der Rat der Gemeinde Lehre, hier auf freiwilliger Basis direkt Nägel mit Köpfen zu machen und statt eines Ehrenamts für 20 Stunden hauptamtliche Gleichstellungsarbeit eine Stelle im Stellenplan der Gemeinde vorzusehen. Denn eigentlich sollte eine Gleichstellungsbeauftragte nicht nur Anlaufstelle für die Menschen der jeweiligen Kommune sein, sondern auch in alle Maßnahmen der Verwaltung eingebunden werden, um auszuschließen, dass Ungerechtigkeiten für eines der Geschlechter gefördert werden. Dies ist für Externe, die möglichst auch noch einen bezahlten Job haben, kaum leistbar.

Und so konnte Karen Schütte als erste Frauenbeauftragte der Gemeinde Lehre ihren Dienst antreten. „Es war schon eine wirkliche Herausforderung, ich habe ja bei 0 angefangen. Aber ich habe dabei so viel Unterstützung erfahren, an die ich mich noch heute gern zurückerinnere“, berichtet die heutige Standesbeamtin, die nach wie vor in Lehre beschäftigt ist. „Und ich weiß noch zu gut, wie nach ihrem ersten Jahresbericht auch die letzten Zweifler gesagt haben: Wie gut, dass wir diese Stelle geschaffen haben“, so der heutige Bürgermeister Andreas Busch.

2005 hat der Niedersächsische Landtag dann eine Gesetzesnovellierung beschlossen: Seit dem heißt die damalige Frauenbeauftragte Gleichstellungsbeauftragte. Damit soll auch auf den ersten Blick erkenntlich gemacht werden, dass die Stelle sich grundsätzlich für den Abbau geschlechterspezifischer Benachteiligungen einsetzen sollen – egal, wer der oder die Betroffene ist. Diese Jubiläen nahmen die erste Frauenbeauftragte der Gemeinde, Karen Schütte, und die aktuelle Gleichstellungsbeauftragte Julia Carluccio jetzt zum Anlass, sich über die Fortschritte der Gleichstellungsarbeit in der Kommune auszutauschen. „Natürlich hat sich in dieser Zeit viel getan – nicht nur der Name hat sich geändert, sondern auch die Aufgaben und gesellschaftlichen Herausforderungen variieren. Dennoch bewegt sich bei den grundlegenden Problemen der Benachteiligung gerade von Frauen gefühlt nur wenig. Viele Forderungen von damals kann ich auch heute noch unverändert unterschreiben“, so Julia Carluccio. Ein großer Schritt hat sich zumindest verwaltungsintern in diesem Jahr getan: Mit Marlene Freyer gibt es seit diesem Jahr erstmals eine allgemeine Vertreterin der Gleichstellungsbeauftragten. Der Bereich ist also optimal ausgestattet, um auch in den kommenden Jahren weiter für das große Ziel der Chancengleichheit der Geschlechter zu kämpfen.

Foto (Gemeinde Lehre): Die erste Frauenbeauftragte Karen Schütte und die heutige Gleichstellungsbeauftragte der Gemeinde Lehre Julia Carluccio mit ihrer neuen Stellvertreterin Marlene Freyer.

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