Ausstellung in der Ulme

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Heimat – so viel mehr als nur ein Ort

Wolfenbüttel. „Was bedeutet Zuhause für Sie?“ und „Was bedeutet Heimat für Sie?“ diese beiden Fragen tauchen im Fragebogen von Celine Schenkewitz zum Thema Heimat auf. Die 26-Jährige studiert Soziale Arbeit an der Ostfalia und macht im Rahmen ihres Studiums eine zweisemestrige Praxisphase in der “Ulme”, dem Stadtteiltreff am Ulmenweg in Wolfenbüttel. Die “Ulme“ (unter Federführung des Landkreises Wolfenbüttel und der Wolfenbütteler Baugesellschaft WoBau) ist ein Begegnungsort für Menschen jeden Alters und unterschiedlicher Herkunft – perfekte Rahmenbedingungen für eine Ausstellung zum Thema Heimat.

Neben ihren Antworten auf den Fragebogen wurden alle Teilnehmer auch um ein Bild, ein Gedicht oder um ein Lied gebeten, das sie mit ihrer Heimat in Verbindung bringen. Alle Ergebnisse wurden gerahmt – herausgekommen ist eine Ausstellung, die in den nächsten zwei Wochen zu sehen ist. 16 Rahmen sind über zwei Stockwerke in vielen Räumen der “Ulme” aufgehängt.

Für die Vorbereitung des Fragebogens, das Kennenlernen der Menschen sowie die Auswertung hat Celine Schenkewitz ein Jahr gebraucht. Die Teilnehmer sind im Alter von 9 bis 87 Jahren und haben ihre persönliche, individuelle Meinung zu „Heimat“ abgegeben.

„Ich habe fast nur positive Antworten zu meinen Fragen erhalten“, berichtete Schenkewitz bei der Ausstellungseröffnung am Freitag. Bei einer Teilnehmerin jedoch sei es ganz anders gewesen: “Sie verbindet mit Heimat die Farbe Rot – die sie hasst, weil sie als Kind immer Rot tragen musste.”

Die Studentin selbst findet es schwer, „Heimat“ zu definieren. „Ich habe ein Jahr weiter weg von Zuhause gewohnt und dabei vieles vermisst. Heimat sind Personen für mich, bekannte Straßen und eine Verbindung mit Orten, bei denen man das Gefühl von Sicherheit hat.“ Erwartet hat Schenkewitz einheitliche Antworten, die sich alle sehr ähneln. “Umso mehr wurde ich von der Vielfalt der Reaktionen überrascht.”

Kein Ergebnis gefalle ihr besser als ein anderes. “Alle zeigen mir in gewisser Weise Anerkennung, da die Personen sich getraut haben, mir etwas so persönliches mitzuteilen“, erzählt Schenkewitz. Denn im ersten Moment seien viele erstmal abgeschreckt gewesen von dem Projekt und der Idee, sich mit diesem Thema zu beschäftigen. Gerade viele Migranten, die die “Ulme” besuchen, wollten sich nicht mit dem Fragebogen auseinandersetzen. „Wir vermuten, dass der Herzschmerz zu groß ist, wenn sie an ihr Zuhause denken“, erzählt Barbara Gabriel, die eine Leiterin der Ulme.

Doch auch diese Menschen haben in der “Ulme” inzwischen eine rt Heimat gefunden. Und angesichts der vielen Rahmen sagte Susanne Pensler, die andere Leiterin des Stadtteil-Treffs: “Hier in der Ulme haben selbst die Bilder ihre Heimat gefunden.“

Die einzelnen Antworten auf die Fragen sowie die Bilder sind für zwei Wochen in der Ulme ausgestellt und können zu den Öffnungszeiten besichtigt werden.

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